书城文学走进格林童话
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第32章 格林兄弟的童话范式 (4)

Rapunzel erschrack nun anfangs, bald aber gefiel ihr derjunge Konig so gut,dab sie mit ihm verabredete, er solle alle Tage kommen und hinaufgezogen werden. So lebten sie lustig und in Freuden eine geraume Zeit [2. Auf.:eine geraume Zeit, und hatten sich herzlich lieb, wie Mann und Frau],und die Fee [2. Auf.: Zauberin] kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte:"sag' sie mir doch Frau Gothel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen" [2. Aufl.:"sag' sie mir doch Frau Gothel,siewird mir viel schwerer heraufzuziehen alsderjunge Konig"]. Ach du gottloses Kind, sprach die Fee [2.Aufl.: Zauberin], was mub ich von dir horen, und sie merkte gleich, wie sie betrogen ware, und war ganz aufgebracht. Da nahm sie/42/die schonen haare Rapunzels, schlug sie ein paar Mal um ihre linke Hand, griff eine Schere mit der rechten und ritsch,ritsch, waren sie abgeschnitten. Darauf verwieb sie Rapunzel in eine Wustenei, wo es ihr sehr kummerlich erging und sie nach Verlauf einiger Zeit Zwillinge, einen Knaben und ein Madchen gebar.

Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoben hatte, machte die Fee [2.Aufl.: Zauberin] Abends die abgescnitte- nen Haare oben am Haken fest. und als der Konigssohn kam:

b dein Haar herunter!"

so lieb sie zwar die Haare nieder, allein wie erstaunte der Prinz [2.aufl,:er], als er statt seines geliebten Rapunzels die Fee oben fand [2.Aufl.: Zauberin fand]. "Weibt du was, sprach die erzurnte Fee [2.Aufl.:Zauberin], apunzel ist fur dich Bosewicht auf immer verloren!"

Da wurde der Konigssohn ganz verzweifelnd, und sturzte sich gleich den

b.Die Grimmsche Fassung der dritten, vier- ten und funften Auflage (1837,1840,1843)

/76/Es war einmal ein Mann und eine Frau,die wunschten sich schon lange vergeblich ein Kind, endlich machte sich die Frau Hoffnung, der liebe Gott werde ihren Wunsch erfullen. Die Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnte man in einen prachtigen Garten sehen, der voll der schonsten Blumen und Krauter stand, er war aber von einer hohen Mauer umgeben, und niemand wagte hinein zu gehen, weil er einer Zauberin gehorte, die grobe Macht hatte,und von aller Welt gefurchtet wurde. Eines Tags stand die Frau an diesem Fenster, und sah in den Garten hinab, da erblickte sie ein Beet, das mit den schonsten Rapunzeln bepflanzt war,und sie sahen so frisch und grun aus,dab sie lustern wurde, und das grobte Verlangen empfand von den Rapunzeln zu essen. Das Verlangen nahm jeden Tag zu, und da sie wubte, dab sie keine davon bekommen konnte, so fiel sie ganz ab, sah blab und elend aus. Da erschrack der Mann, und fragte "was fehlt dir liebe Frau?" "Ach,"antwortete sie, "wenn ich keine Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Hause zu essen kriege, so sterbe ich".Der Mann, der sie gar lieb hatte, dachte "eh du deine Frau sterben lassest, holst/77/du ihr von den Rapunzeln, es mag kosten was es will". In der Abenddammerung stieg er also uber die Mauer in den Garten der Zauberin, stach in aller Eile eine Hand voll Rapunzeln, und brachte sie seiner Frau. Sie machte sich sogleich Salat daraus und ab sie in voller Begierde auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, dab sie den andern Tag noch dreimal so viel Lust bekam. Sollte sie Ruhe haben, so mubte der Mann noch einmal in den Garten steigen. Er machte sich also in der Abenddammerung wieder hinab, als er aber die Mauer herabgeklettert war, wie erschrack er, als er die Zauberin vor sich stehen sah [4. u. 5.Aufl.: erschrack er gewaltig, denn er sah die Zauberin vor sich stehen].”Wie kannst du es wagen", sagte sie zornig, "in meinen Garten wie ein Dieb zu kommen und mir meine Rapunzeln zu stehlen?""Ach", antwortete er, "ungern habe ich mich dazu entschlossen, und nur aus Noth:meine Frau hat eure Rapunzeln aus dem Fenster erblickt und hat ein so grobes Gelusten danach, dab sie sterben wurde, wenn sie nicht davon zu essen bekame". Da lieb die Zauberin in ihrem Zorne nach und sprach zu dem Mann "verhalt es sich so, wie du sagst, so will ich dir gestatten, Rapunzeln mitzunehmen so viel du willst,allein ich mache eine Bedingung: du mubt mir das Kind geben, das deine Frau zur Welt bringen wird. Es soll ihm gut gehen, und ich will fur es sorgen wie eine Mutter". Der Mann sagte in der Angst alles zu, und als die Frau in Wochen kam, so erschien gleich die Zauberin, gab dem Kind den Namen Rapunzel und nahm es mit sich fort.

Rapunzel wurde das schonste Kind unter der Sonne. Als /78/ es zwolf Jahr alt, war schlob es die Zauberin in einen Thurm, der in einem Walde lag und weder Treppe noch Thure hatte, nur ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn die Zauberin hinein wollte, so stellte sie sich unten hin und rief

"Rapunzel, Rapunzel,lab mir dein Haar herunter."

Rapunzel hatte lange prachtige Haare, fein wie gesponnen Gold. Wenn sie nun die Stimme der Zauberin vernahm, so band sie ihre Zopfe los, wickelte sie oben um einen Fensterhacken, und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief herunter, und die Zauberin stieg daran hinauf.

Nach ein paar Jahren trug es sich zu,dab der Sohn des Konigs durch den Wald ritt, und an dem Thurm voruber kam. Da horte er einen so lieblichen Gesang [4. u. 5. Aufl.: einen Gesang,der war so lieblich], dab er still hielt und horchte. Das war Rapunzel, die in ihrer Einsamkeit sich die Zeit damit vertrieb, ihre sube Stimme erschallen zu lassen. Der Konigssohn suchte vergeblich nach einer Thure des Thurms, der Gesang hatte ihm aber so sehr das Herz geruhrt, dab er jeden Tag hinaus in den Wald gieng und darauf horchte. Als er einmal so hinter einem Baume stand, sah er die Zauberin herankommen und horte,wie sie hinauf rief

第三节 (3)

"Rapunzel, Rapunzel,lab dein Haar herunter."